{"id":414,"date":"2018-10-10T05:27:00","date_gmt":"2018-10-10T05:27:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/?p=414"},"modified":"2018-10-10T05:29:10","modified_gmt":"2018-10-10T05:29:10","slug":"zum-buch-von-georg-quaas-die-oekonomische-theorie-von-karl-marx","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/?p=414","title":{"rendered":"Zum Buch von Georg Quaas: \u201eDie \u00f6konomische Theorie von Karl Marx\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Gute B\u00fccher sollten zum Nachdenken anregen, das nicht nur mit anschlie\u00dfendem Nicken endet, sondern auch zum Diskutieren animiert. In dem vorliegenden Buch finde ich beides gegeben. <\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlich ist, wie an die Werterkl\u00e4rung herangegangen wird: auf mathematischem <!--more--><\/p>\n<p>Weg. Nur auf konventionellen Wegen zu wandern, bringt die Wissenschaft nicht unbedingt weiter. Neue Richtungen einzuschlagen, befl\u00fcgelt andere, mitzumachen und mit den neuen Gedanken noch mehr Unbekanntes zu erkunden, ganz nach dem Motto dieser Webseite \u2013 \u201eWissenschaftliche Freiheit\u201c.<br \/>\nIn diesem Sinne freue ich mich auf eine spannende Diskussion zur Arbeitswerttheorie, deren Ausgang, zumindest aus meiner Sicht, noch v\u00f6llig offen ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Buch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Buch-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-419\" \/><\/a><\/p>\n<p>Georg Quaas zeigt, dass Wert und Gebrauchswert, auch in Verbindung mit Angebot und Nachfrage, mathematisch exakt berechnet werden k\u00f6nnen. Um zum Wert zu gelangen, beginnt er nicht mit der typischen Wertformel W = c + v + m, sondern geht den Weg \u00fcber die Berechnung des Gebrauchswertes und gelangt dar\u00fcber zum Wert. <\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr eine lineare Funktion, mit der der Wert errechnet werden soll, lautet: W(a) = u(A) * t(A), wobei W(a) die Wertgr\u00f6\u00dfe des Arbeitsproduktes a, A den Produktionsprozess, u den Proportionalit\u00e4tsfaktor f\u00fcr den Kompliziertheitsgrad der Arbeit und t die Zeitdauer des Arbeitsprozesses darstellen.<\/p>\n<p>Entsprechend dieser Formel soll der Wert im Arbeitsprodukt untergebracht oder zumindest bereits auf der Produktionsseite der Warengesellschaft fest mit diesem verkn\u00fcpft werden.<\/p>\n<p>Doch das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Der Wert ist ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis. Kann man ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis in (zun\u00e4chst potenziellen) Waren unterbringen oder durch die Produktion fest mit diesen verkn\u00fcpfen?<\/p>\n<p>In meinem ersten Diskussionsbeitrag zur Interpretation der Arbeitswerttheorie, wie sie in dem Buch \u201eDie \u00f6konomische Theorie von Karl Marx\u201c herausgearbeitet wird, m\u00f6chte ich mich auf das Thema Ware und Wert konzentrieren. Meine Gedanken dazu werde ich nicht umfassend erl\u00e4utern. Die Diskussion soll die Schwerpunkte setzen, anhand derer sie gezielter fortgesetzt werden kann.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Waren Wert haben?<\/p>\n<p>Engels formuliert eine grundlegende Aussage zur \u00d6konomie:<\/p>\n<p>&#8222;Die \u00d6konomie handelt nicht von Dingen, sondern von Verh\u00e4ltnissen zwischen Personen und in letzter Instanz zwischen Klassen; diese Verh\u00e4ltnisse sind aber stets an Dinge gebunden und erscheinen als Dinge.&#8220; (Engels \/1\/)<\/p>\n<p>Das sollte demzufolge auch auf den Wert zutreffen, da dieser zu den grundlegenden Kategorien z\u00e4hlt, die von der \u00d6konomie untersucht werden und mit denen sie arbeitet. Der Wert stellt seinem Wesen nach ein Verh\u00e4ltnis zwischen Menschen dar. <\/p>\n<p>Konkret bilden Tauschpartnern den Wert im Rahmen eines Wertverh\u00e4ltnisses unter sich heraus und er wirkt auch zwischen ihnen. Das Ziel, das die Tauschpartner mit dem Wertverh\u00e4ltnis verfolgen, ist der wert\u00e4quivalente Tausch einer Ware gegen ein Wert\u00e4quivalent (letzteres meist in Form von Geld). Ware und Wert\u00e4quivalent sind die Bezugspunkte eines solchen Wertverh\u00e4ltnisses. <\/p>\n<p>Bei Marx sind Formulierungen dieser Art nicht zu finden, doch ich denke, dass ich diese Aussage gut begr\u00fcnden kann im weiteren Verlauf der Diskussion.<br \/>\nDa die Ware nach der klassischen Interpretation der Arbeitswerttheorie nur in dinglicher Form gesehen und damit nur als Dingliches getauscht wird, erscheint der Wert beim Tausch auch als etwas Dingliches. Hier ein Beispiel bezogen auf den Dienstleistungsbereich: \u201eNun gibt es aber sowohl Eigentum als auch Warenproduktion und Warentausch, also vergegenst\u00e4ndlicht sich die mit der Dienstleistung verausgabte abstrakt menschliche Arbeit im Wert von Dingen, die sich \u2013 per definitionem \u2013 im Eigentum Dritter befinden.\u201c (G. Quaas \/2\/, S. 198)<\/p>\n<p>Das steht im Widerspruch zur eingangs zitierten Aussage von F. Engels. Nach ihm kann es den Wert nur auf der gesellschaftlichen Ebene geben, folglich nur zwischen Menschen. Ein Wertverh\u00e4ltnis zu vergegenst\u00e4ndlichen w\u00fcrde bedeuten, die Beziehung zwischen K\u00e4ufer und Unternehmer \/ Verk\u00e4ufer in das Produkt einzubauen. Aus meiner Sicht ist das unm\u00f6glich. Wo ein Wertverh\u00e4ltnis wirklich wirkt und wo nicht, ist im folgenden Bild dargestellt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" class=\"alignleft size-full wp-image-420\" srcset=\"http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1.jpg 1280w, http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1-300x169.jpg 300w, http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1-768x432.jpg 768w, http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/wissenschaftlichefreiheit.de\/wp-content\/uploads\/Bild-WLi-1-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><br \/>\nBild WLi 1: Der Wert wird als ein gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis von Tauschpartnern untereinander gebildet. <\/p>\n<p>Auf dem Bild WLi 1 stehen sich ein potenzieller K\u00e4ufer sowie ein Unternehmer als potenzieller Verk\u00e4ufer gegen\u00fcber (vereinfachte Darstellung ohne den Handel). Der Unternehmer hat eine potenzielle Ware im Eigentum, die der K\u00e4ufer erwerben m\u00f6chte.  Der K\u00e4ufer hat Geld im Eigentum (oder in der Verf\u00fcgungsgewalt \u2013 je nach rechtlicher Lage). Der Unternehmer er\u00f6ffnet mit seinem Angebot der Ware auf dem Markt einseitig ein Wertverh\u00e4ltnis, das zun\u00e4chst unvollst\u00e4ndig ist. Er bringt seine potenzielle Ware, verbunden mit dem Erwartungswert in Gestalt des Angebotspreises, in dieses Wertverh\u00e4ltnis ein. Der Erwartungswert verdeutlicht, was der Unternehmer als Wert\u00e4quivalent beim Verkauf der Ware erwartet.<\/p>\n<p>Sollten sich beide auf eine gemeinsame Wertgr\u00f6\u00dfe einigen, im Dialog auf dem Basar oder durch einseitige Anpassung des K\u00e4ufers an die Wertvorstellung des Unternehmers (analog zum Kaufhaus), k\u00f6nnen sie das gemeinsame Wertverh\u00e4ltnis mit dem Tausch erfolgreich beenden. Die gemeinsame Wertgr\u00f6\u00dfe w\u00e4re dann der reale Wert, den beide in ihrem Wertverh\u00e4ltnis herausgebildet und genutzt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Auf der rechten Seite im Bild ist festgehalten, wo es den Wert nicht geben kann: in (potenziellen) Waren, zwischen Waren, zwischen Menschen und Waren und der Wert ist auch nicht allein durch die Produktion mit einer potenziellen Ware fest verbunden.<\/p>\n<blockquote><p>Fazit:<\/p><\/blockquote>\n<p>Wert ist ein Verh\u00e4ltnis zwischen Menschen.<br \/>\nWert kann demzufolge nicht in Gegenst\u00e4nden untergebracht werden. Ware und Geld sind Bezugspunkte eines Wertverh\u00e4ltnisses. Mit der Produktion einer potenziellen Ware wird folglich kein Wert, sondern nur ein m\u00f6glicher Bezugspunkt f\u00fcr eine Wertbeziehung in das Produkt hineingebracht.<\/p>\n<p>Medien<br \/>\n\/1\/ Friedrich Engels: Karl Marx, \u201eZur Kritik der Politischen \u00d6konomie\u201c (1859); in: MEW 13, S. 476 [1]<br \/>\n\/2\/ Georg Quaas, Die \u00f6konomische Theorie von Karl Marx, S. 198, Metropolis-Verlag 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gute B\u00fccher sollten zum Nachdenken anregen, das nicht nur mit anschlie\u00dfendem Nicken endet, sondern auch zum Diskutieren animiert. In dem vorliegenden Buch finde ich beides gegeben. 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