Kommentar zur Rezension eines gewissen H.R.

Hier die Buchbesprechung in voller Länge, denn man kann nicht wissen, wie der Text in ein paar Wochen aussieht:

„Jeder an Erkenntnis interessierte Mensch sollte seine Ideen und Überzeugungen von Zeit zu Zeit überprüfen. Als ich vor einer Weile auf das Buch Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Darstellung, Kritiken und Alternativen von Friedrun und Georg Quaas gestoßen bin, ist dieser Weiterlesen

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie erlebt gegenwärtig ein Comeback. Ihre traditionsreiche Vergangenheit wird durch die letzte Generation, die New Austrians, in den Dienst aktueller Theoriedebatten gestellt, die vor dem Hintergrund der jüngsten Weltwirtschaftskrise mit neuer Schärfe geführt werden. Besonderes Vertrauen wird dabei in die Erklärungsleistung der monetären Überinvestitionstheorie von Friedrich A. von Hayek gesetzt. Doch ist dieses Vertrauen gerechtfertigt? Und existiert überhaupt eine homogene „österreichische“ Theorie als Garant für eine bessere wirtschaftspolitische Praxis?

Die Autoren behandeln diese Fragen in vier Kapiteln unter verschiedenen Gesichtspunkten.

Friedrun Quaas zeichnet im Kapitel I die Entwicklung der Österreichischen Schule über ihre verschiedenen Generationen nach. Das dabei entstehende Bild einer großen Heterogenität zeigt die Bruchstellen zwischen den einzelnen Vertretern der Schule auf. Selbst grundlegende Positionen der österreichischen Theorie sind im Laufe der Zeit einer fortschreitenden Bastardierung unterworfen worden.

Im Kapitel II wird Hayeks Überinvestitionstheorie theoriehistorisch eingeordnet. Dieser zu keiner Zeit alternativlose Ansatz wurde im Zuge wissenschaftlicher Auseinandersetzungen durch stichhaltige Kritiken schwer beschädigt und ist in der traditionellen Form zurückzuweisen.

Georg Quaas analysiert im Kapitel III den Kern der Überinvestitionstheorie, das Hayeksche Dreieck. Im Rahmen einer einfachen algebraischen Darstellung des Dreiecks kann nicht nur die ältere Kritik rekonstruiert, sondern auch gezeigt werden, dass wichtige Unterscheidungen und Thesen, auf die sich die aktuellen Empfehlungen der Austrians stützen, logische Widersprüche enthalten. Empirisch lassen sich zentrale Elemente der Überinvestitionstheorie anhand der Daten für die deutsche Volkswirtschaft falsifizieren.

In Kapitel IV wird eine Alternative zum Hayekschen Dreieck entwickelt und in den grundlegenden Eigenschaften dargestellt. Dabei handelt es sich um einen algebraischen Ansatz für eine kapitalgestützte Makroökonomik mit Rückgriff auf das Mengenmodell der Neoricardianischen Schule. Durch theoretische Einbettung des Modells in eine marktwirtschaftliche Umgebung und seine Dynamisierung ist es möglich, einen konjunkturähnlichen Verlauf der Entwicklung einer Volkswirtschaft zu simulieren. Damit darf Hayeks generelle Kritik an nicht-monetären Konjunkturtheorien ebenfalls als widerlegt betrachtet werden.

Quaas, Friedrun / Quaas, Georg: Die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Darstellung, Kritiken und Alternativen, Metropolis Verlag, 2013

Cover

Marx und „Das Kapital“ heute

Gedanken zum 145. Jahrestag des Erscheinens des 1. Bandes
am 11. September 1867

Zu beobachten ist nach wie vor ein anhaltendes Interesse an Marx, das zwar gewissen konjunkturellen Schwankungen unterliegt, aber seit Erscheinen des 1. Bandes des „Kapitals“ nie völlig erloschen ist, nachdem die Startschwierigkeiten bei seiner Kenntnisnahme erst einmal überwunden waren. Momentan hat die jüngste Weltwirtschaftskrise ein Hoch der Marx-Rezeption provoziert, die für sich genommen aber keinesfalls ein Novum darstellt, sondern vielmehr zeigt, dass es inzwischen Generationen sind, die in der Marxschen Theorie etwas erkennen können, das ihnen Antworten auf gestellte und ungestellte Fragen zu geben vermag. Unter der vor einigen Jahren vom ZDF aufgestellten Rankingliste der berühmtesten Deutschen rangiert Karl Marx hinter Konrad Adenauer und Martin Luther auf Platz 3. So sahen ihn zumindest die 1,5 Millionen seinerzeit Befragten verortet. Weiterlesen

Kritik aus den eigenen Reihen. Was wollen die bloß?

(Zuerst erschienen bei „Ökonomenstimme“ unter dem von der Redaktion abgeänderten Titel: „Es braucht mehr Streit in der VWL“.)

Die internen Berichte über den Platz der Volkswirte in der bundesdeutschen und internationalen Wissenschaftlergemeinschaft klingen vermutlich überall fantastisch. Entsprechende Studiengänge haben mehr und mehr Zulauf. (Ob sich das angesichts des skandalösen Streits um die Euro-Politik ändert, bleibt abzuwarten.) Für einen Moment Weiterlesen